Comfortably numb.
Kürzlich habe ich Werbeplakate sehen müssen, bei denen sich mir der Magen umdrehte.
Ja, tatsächlich müssen, denn Dieter Bohlens Visage hat eine Anziehungskraft wie ein Verkehrsunfall.
Ich möchte das kurz beschreiben: Auf dem einen Plakat grinst mir Mr. Superjury überlebensgroß entgegen und erklärt mit nach oben gestreckten Handflächen „Herr, Lass Talent vom Himmel fallen“ (oder etwas sinngemäß ähnliches).
Da stutzte ich kurz, schließlich hat Herr Bohlen doch bisher auch ohne Talent ganz gut Geld verdient. Dann dämmerte es mir aus vielerlei Berichten, zum Thema ‘Deutschland sucht den Superstar’. Er meint die Opfer der Show, in der er Jury ist und propagiert mit seiner lächelnden Front seine auf unerklärliche Weise populäre Art, sich in eben dieser Show als das Oberarschloch zu geben (was vermutlich nicht mal wirklich viel Verstellung erfordert, aber da ich den Mann nicht persönlich kenne, lass ich mich dazu nicht aus). Arschloch sein ist eben ‘cool’. Ein weiteres Beispiel für den sozialen Verfall unserer Gesellschaft.
Das andere Plakat bestand nur aus der leuchtenden Logo-Reklame, worüber die Worte „Deutschland wählt“ gedruckt waren.
Einen schönen Dank, in dem Fall bin ICH nicht Deutschland.
Wieder ein Tag, an dem ich dankbar bin, keinen Fernseher zu besitzen und mich beim zufälligen Zappen mit Hirnerweichung wie Dschungelcamps oder Nachwuchspopsternchen auseinandersetzen zu müssen.

