YEE HAW!
Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich in Rollenspielen (als SL) schummle, bzw. wie ich dazu stehe. Zugegeben, nicht wirklich gefragt, aber ich habe den Artikel kommentiert mit der Antwort, dass das einen ziemlich umfangreichen Text umfassen würde.
Das hier stellt nun diesen Text dar. Scheinbar ist es momentan (will heißen: in den letzten Monaten) Trend, zwischen den bösen Schummlern und den auch bösen Abenteuerrollenspielern zu unterscheiden und jedermann und seinem Hund zu erklären, warum die eigene Spielweise die Beste ist. Ich für meinen Teil beharre auf meinem Standpunkt: Spielt so, wie es am besten klappt in eurer heimatlich-gemütlichen Rollenspielrunde. Es ist in keiner Weise meine Absicht, meine Spielweise als die Beste zu propagieren. Dies hier stellt lediglich meine Sicht der Dinge dar.
Die kurze Antwort auf die einleitende Frage ist: Ja, ich schummle als SL. Nicht immer, ganz gewiss nicht pathologisch, aber wenn etwas kurz davor ist, völlig zusammenzubrechen, weil sich eine Regel in den Weg stellt, beuge ich das Weltgefüge und entscheide.
Länger ausgeführt:
Es gibt gute Gründe, warum ich kein Freeform spiele, denn die Regelgefüge sorgen in den meisten Fällen dafür, dass so gut wie alles, was man tun möchte, wunderbar funktioniert, und man kann mit einer gewissen Berechtigung behaupten, zu wissen, zu was der eigene Charakter (oder NPCs, was das angeht) schaffen oder auch nicht schaffen kann.
Jetzt bin ich aber ein Mensch, der seine Spieler gern dazu animiert, coole Dinge zu versuchen. Ich mag cinematographisches Spiel und das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn ich eine Kampagne um die Charaktere herum aufbaue, dann sind diese Charaktere die Hauptfiguren dieses Films, die all guns blazing durch Fenster springen dürfen, ohne dass ihnen schlimme Dinge geschehen (gut, ich steh auch auf gritty gameplay, also passieren doch schon mal schlimme, aber eben nicht fatale Dinge ;).
Daher auch der Titel des heutigen Beitrags.
YEE HAW steht für Cowboys und übergroße Helden (bzw. Schurken, je nach Spielsystem), die allerlei Dinge tun können, die dem Normalbürger mindestens einen Bandscheibenvorfall, wahrscheinlicher aber eine akute Vitalschwäche einbrächten.
Außerdem für interessante Musik von The BossHoss, aber das soll jetzt nicht das Thema sein.
Im Normalfall bedeutet, dass ich diese Art Aktivitäten ermutige, dass die Spieler nicht mit Opposition konfrontiert werden, die eben diese Aktionen ausnutzen, um den Spielern eine vor den Latz zu knallen. Das kann man bereits als eine Art Schummeln werten, wenn man es drauf anlegen möchte, ich ziehe aber vor, das als dramaturgische Mittel zu bezeichnen.
Außerdem bedeutet das, dass die Charaktere in den meisten Fällen auch damit durchkommen, weil zum einen ihre Fähigkeiten ausreichen, solche coolen Sachen zu tun und die Spieler (interessantes Metagame, wenn man sich drüber auslassen will) damit rechnen können, dass es so gedacht ist.
Wenn nun beispielsweise ein Runner bei einem Flug aus dem Fenster beide Waffen vorstreckt und ballert, was das Zeug hält, aber seine Athletikprobe nicht schafft, ist das meistens lustig.
Wenn nun aber der gleiche Runner eine Konstitutionsprobe, die er normalerweise schaffen würde, so derartig verhaut, dass er daran stirbt, ist das der Moment, in dem ich als SL anfange, zu schummeln. Da ich in den meisten Fällen zwar offen würfle, aber abseits der Spieler, so dass jeder Spieler, wenn er der Meinung ist, ich übervorteile ihn, nachprüfen kann, fällt mir das leicht.
Ich sage in dem Moment dann einfach, dass der Charakter ein Kästchen weniger Schaden nimmt, als er laut dem Würfelergebnis nehmen müsste, oder dass der NPC, der auf ihn geschossen hat, einen Erfolg weniger hat. Kurz: irgendetwas, damit einer meiner Hauptdarsteller nicht aufgrund eines total blöden Zufalls stirbt. Wenn der Spieler natürlich in dem Moment nachprüfen will, ob ich wirklich nur so wenige Erfolge hatte, kann ich ihn nicht aufhalten ;)
Auf der anderen Seite bin ich durchaus nicht der Ansicht, dass Spielercharaktere unbesiegbar sein sollten. Es gibt normalerweise drei Umstände, bei denen ein SC bei mir sterben kann:
1.) Ich leite auf einer Con. Das kommt immer mal wieder vor und meistens mit irgendeinem offiziellen Pipapo dran, so dass wir einigermaßen repräsentativ sind. Das bedeutet für mich, ich lasse alle Hausregeln außen vor und leite exakt nach dem Wort, das im Buch steht. Außerdem bedeutet es, dass ich in keinem Fall so schummle wie oben beschrieben. Dazu später mehr.
2.) Der Spieler stellt sich wirklich saublöd an. Das kann auch immer mal vorkommen, aber normalerweise weise ich den Spieler darauf hin, dass das, was er vorhat wirklich, wirklich keine gute Idee ist. Wenn der Spieler weiter darauf besteht, und dann schlecht würfelt, kommt er um. Der Charakter freilich, nicht der Spieler. Auch wenn man manchmal das Bedürfnis hat, die deutsche Rechtsprechung reagiert ziemlich allergisch auf so etwas ;)
3.) Es ist das lang ersehnte Ende der Kampagne oder zumindest ein stark klimaktischer Punkt. Genau wie Hauptfiguren in Filmen dürfen auch hier Hauptfiguren der Kampagne sterben, und nicht nur auf Seite der NPCs. Hier ist das Würfelergebnis tatsächlich immer der letzte Richter.
Zum Leiten auf Cons bleibt mir hier noch zu sagen, dass es eine Vielzahl von verschiedenen Auslegungen von Regeln gibt, bis hin zu Hausregeln und what have you. Wenn wraith, Kell und ich allerdings mal wieder einen 24h-Run anbieten, dann kommen da normalerweise fünf bis sechs Spieler aus verschiedenen Runden rein, die jeweils anderes gewöhnt sind. Daher ist es die einzig gangbare Methode, das Regelwerk as is zu verwenden, als kleinsten gemeinsamen Nenner.
Außerdem kommt dazu, dass wir das als Herausforderung an sowohl Spieler als auch Charakter anbieten und mit der klaren Ansage, dass hier keine Gnade zu erwarten ist. Das macht, so wie ich das verstehe, auch durchaus einen Reiz für die Spieler, die sich da anmelden, aus und es wäre unfair, ihnen das vorzuenthalten, indem man im falschen Moment ein Auge zudrückt.
Für die heimische Runde heißt das, dass die Spieler wissen, dass ihr Charakter relativ wenig zu befürchten hat, aber auch, dass das keine absolute Sicherheit darstellt, was das Spiel spannend genug hält. Hoffe ich jedenfalls, aber Beschwerden habe ich bisher selten bekommen.
Alles in Allem ist das hier ein bißchen weniger strukturiert, als ich gehofft hatte, aber es ist mittlerweile halb drei Uhr morgens und irgendwie fühlt sich mein Kopf seit gestern um diese Zeit ziemlich schwammig an.
Kommentare und Kritik sind deutlich willkommen und erwünscht.

